Xiaomi Mi 11: Die ersten Testergebnisse sind heftig!

22.02.2021, 17:38 UhrDas Xiaomi Mi 11 soll nicht nur den guten Vorgänger, sondern auch gleich noch die Konkurrenz in den Schatten stellen. Die ersten Ergebnisse aus dem Test zeigen, dass das durchaus funktionieren könnte.

Mit dem Mi 10 und dem Mi 10 Pro haben die Macher von Xiaomi gezeigt, dass sie nicht nur billig können, sondern sich auch mit Top-Smartphones auskennen. Die neueste Evolutionsstufe ist das Xiaomi Mi 11, das selbstbewusst mit einem Preis ab 799 Euro (UVP) zum Test antritt. Damit muss es sich dem Vergleich mit Samsungs aktuellen Topgeräten Galaxy S21Galaxy S21 Plus und sogar Galaxy S21 Ultra stellen. Ist es besser als sein Vorgänger Mi 10 und knackt es womöglich Platzhirsch Samsung? Noch sind nicht alle Messwerte ermittelt, aber die ersten Testergebnisse lassen aufhorchen.

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Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Trotz größerem Display ist das Xiaomi Mi 11 ein wenig leichter und schlanker als das Mi 10.

Xiaomi Mi 11: Picobello!

Sofern man nicht grundsätzlich Probleme mit großen Smartphones hat, weiß das Xiaomi Mi 11 sofort zu gefallen. Trotz vergleichbarer Diagonale wie Samsungs Galaxy S21 Ultra ist das Mi 11 in allen Richtungen etwas kompakter. Das Gehäuse ist 74,6 Millimeter breit und 164,3 Millimeter lang. Mit 8 Millimetern Bauhöhe (ohne Kamera) ist es sogar einen knappen Millimeter dünner als das Mi 10 und mit 196 Gramm 12 Gramm leichter. Das besonders robuste Gorilla Glass „Victus“ ist auf der Rückseite mattiert. Das sorgt für eine angenehme warme Haptik, ist weniger anfällig für Fingerabdrücke und verleiht der Rückseite einen edlen Schimmer. Falls „Victus“ doch mal schwächeln sollte, gewährt Xiaomi zumindest eine kostenlose Displayreparatur in den ersten zwölf Monaten. Das gewölbte Display geht sauber in den glatten Alurahmen über. Hierzulande kommt das Mi 11 vorerst nur in „Horizon Blue“ und „Midnight Gray“. Der Fingerabdrucksensor steckt im Display und soll per Update bei Bedarf auch die Herzfrequenz erfassen. An der rechten Seite gibt es die einzigen wirklich merklichen Kanten in Form zweier Tasten, der Lautstärkewippe und darunter der leicht geriffelte Ein-/Ausschaltknopf. Das Gehäuse ist wie bei Xiaomi üblich nicht nach IP-Zertifizierung wasserdicht – das kostet Punkte im Test, die Samsungs S21 Ultra tradititionell einsammelt.
Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Das Xiaomi Mi 11 ist zwar groß, aber trotzdem elegant.

Mi 11 mit Snapdragon 888

Im Xiaomi Mi 11 steckt der Qualcomm Snapdragon 888, der im 5-Nanometer-Verfahren gefertigt ist und den Mobilfunkstandard 5G dank des X60-Modems schon im Chip integriert. In Kombination mit der Adreno-660-Grafikeinheit sind die Voraussetzungen für ein hohes Tempo und rekordverdächtige Benchmarks erfüllt. Und das Mi 11 liefert Bestwerte. Das Arbeitstempo, das die Prozessorpower widerspiegelt, bekommt die Note 1,1. Nur die aktuellen iPhones schneiden noch besser ab. Alle anderen Androiden verputzt das Mi 11. Auch den neuen Exynos 2100 in Samsungs Galaxy S21 Ultra. Im Geekbench 5 Multi Core kam das Xiaomi Mi 10T Pro mit dem Snapdragon 865 in einem Testdurchlauf auf 3.317 Punkte, Samsungs Topmodell S21 Ultra erreichte 3.585 Punkte, das Mi 11 satte 3.632. Im Labortest kamen ähnliche Werte zustande (siehe Foto unten).
Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Geekbench 5. Von links nach rechts: Xiaomi Mi 10T Pro, Samsung Galaxy S21 Ultra, Xiaomi Mi 11.

Benchmark Samsung Galaxy S21 Ultra vs Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Während der Geekbench 5 das Mi 11 noch bändigte, wurde es dem 3D Mark „Slingshot Extreme“ zu viel.

Benchmark Samsung Galaxy S21 Ultra vs Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Wir mussten auf den 3D Mark „Wild Life“ aufrüsten, um einen Vergleichswert zum S21 Ultra (links) zu bekommen.

Xiaomi Mi 11: Leider zu schnell!

In der Benchmark-App 3D Mark waren der „Sling Shot“ und „Sling Shot Extreme“ dem Mi 11 nicht mehr gewachsen. Aber auch das S21 Ultra bot zu viel Performance für diese Tests. Also ließen wir den 3D Mark „Wild Life“ durchlaufen. Das S21 Ultra kam auf 5.332 Punkte. Das Mi 11 brachte es auf 5.740 Punkte. Überdies wirkten die Szenen in den Benchmarks auch abgesehen von den angezeigten Frameraten flüssiger. Auch die anderen Tempomessungen unterstreichen die Leistungsfähigkeit. Das Bedientempo bekommt die Zwischennote 1,1, sodass am Ende die beste bisher von einem Smartphone erreichte Temponote von 1,1 steht. Sehr gut! Die 10 schnellsten Smartphones aus dem COMPUTER BILD-Test bekommen also einen neuen Champ.

Xiaomi Mi 11: Ein Traum von einem Display

Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Die Frontkamera des Xiaomi Mi 11 steckt in einer Punch-Hole-Notch.

Das 20:9-Display hat eine Diagonale von 6,81 Zoll und ist damit größer als das Mi 10 (6,67 Zoll). Bei der Diagonale muss man bei Samsung schon zum S21 Ultra (6,8 Zoll) greifen, um einen adäquaten Gegner aufzutreiben, denn sowohl S21 als auch S21 Plus sind kleiner und lösen nur noch mit FHD+ auf. Xiaomi rüstet hingegen auf. Der OLED bringt es auf superscharfe 3200×1440 Pixel und damit auf 515 ppi. Für Amüsement sorgen also wie beim S21 Ultra 4,6 Millionen Bildpunkte! Die Bildschirmwiederholfrequenz liegt je nach Anforderung bei 30/60/90/120 Hertz. Bei statischen Bildinhalten beispielsweise bei energiesparenden 30 Hertz, bei Filmen bei 60 Hertz, bei Spielen und beim Scrollen sorgen 90 oder 120 Hertz für eine angenehm flüssige und scharfe Darstellung. Die Messwerte im Labor unterstreichen den vorzüglichen Eindruck: Das Labor ermittelt eine sehr gute Helligkeit von 1.090 Candela pro Quadratmeter. Genug für eine 1,0, aber das S21 Ultra strahlt mit 1.321 Candela sogar noch heller. Der Kontrast und die Schärfe sind bei beiden Smartphones traumhaft – das eine jenseits von dem, was das menschliche Auge noch sehen kann, das andere jenseits von dem, was die Messinstrumente für den Kontrast ermitteln können. Das Mi 11 ist ungeheuer farbtreu, das S21 Ultra deckt den DCI-P3-Farbraum sogar noch etwas besser ab. Das 10-Bit-Display im Mi 11 reduziert Farbübergänge und unterstützt HDR10+-Videoinhalte. Die Abtastrate für Toucheingaben liegt bei superschnellen 480 Hertz. Und obwohl wir mit dem S21 Ultra einen bärenstarken Kontrahenten aufgetrieben haben, gewinnt das Mi 11 das Displaykapitel. Nicht irgendwie, sondern mit der besten bisher erreichten Zwischennote von 1,1. Ein besseres Display hatten wir noch nicht im Testlabor.
Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Das OLED-Display hat eine Diagonale von 6,81 Zoll und ist richtig klasse!

 

Ausstattung des Xiaomi Mi 11

Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Die Gravur zeigt es stolz: Beim Sound der Lautsprecher unterstützte Harman Kardon. Ansonsten befindet sich oben noch der IR-Sender.

An Bord sind 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher (LPDDR5) und je nach Modell 128 oder 256 GB Gerätespeicher (UFS 3.1). Als Betriebssystem kommt Android 11 mit Xiaomis Benutzeroberfläche MIUI 12.5 (Mi User Interface) zum Einsatz. Erfreulich sind viele Einstellungs- und Personalisierungsmöglichkeiten. So können Sie nicht nur das Erscheinungsbild des AODs („Always On Display“) ändern und eigene Fotos verwenden, sondern auch Zeitpläne für die Aktivierung erstellen oder festlegen, dass die Anzeige nach 10 Sekunden verschwindet. Das ist dann eher ein Sometimes On Display und spart Energie. Für Google Pay ist NFC an Bord. Daneben gibt es noch Bluetooth 5.2. Die unscheinbare 2 nach dem Punkt ermöglicht es, dass Sie das Mi 11 gleichzeitig mit zwei Kopfhörern oder Bluetooth-Boxen koppeln. Lücken im Datenblatt gibt es beim nicht IP-zertifizierten Gehäuse, der fehlenden Kopfhörerbuchse (der Adapter ist immerhin im Lieferumfang) und der fehlenden Speichererweiterung. Dual-SIM ist an Bord und beide Kartenschächte können 5G. Die Stereolautsprecher wurden in Kooperation mit Audio-Spezialist Harman Kardon konzipiert und sollen den Sound des Vorgängers – selbstverständlich – übertreffen.
Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Eine Klinkenbuchse gibt es nur per Adapter. Zwei SIMs gehen immer, eine Speicherkarte nie.

Superschnelles Laden – auch kabellos

An diesem Kapitel steht noch ein Fragezeichen, denn der Akkutest ist noch nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse der Messungen finden Sie später an dieser Stelle. Was man schon sagen kann: Das Mi 11 lädt per Kabel sehr schnell mit bis zu 55 Watt. Ein 55-Watt-Netzteil ist im Lieferumfang und auch stark genug für ein USB-Typ-C-Laptop. Drahtloses Laden klappt laut Hersteller mit bis zu 50 Watt. In Gegenrichtung spendet das Mi 11 Energie mit bis zu 10 Watt. Die Kapazität beträgt 4.600 Milliamperestunden (mAh) und damit 180 mAh weniger als beim Mi 10. Dafür soll Mi UI bis zu 15 Prozent Strom sparen. Eine Komplettladung mit 55 Watt dauert laut Hersteller nur 45 Minuten und ist auch kabellos in unter einer Stunde erledigt.
Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch
Samsung Galaxy S21 © Samsung
Apple iPhone 12 © COMPUTER BILD

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Xiaomi Mi 11 mit Triple-Kamera

Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Maximal ist eine 30-fache Vergrößerung möglich, die ihre Informationen aus dem hochauflösenden Sensor bezieht und nicht mit einer optischen Telelinse mithalten kann.

Die umfangreichen Messungen zur Bestimmung der Fotoqualität sind noch nicht abgeschlossen, aber es zeichnet sich schon ab, dass das Galaxy S21 Ultra hier das dicke Objektiv vorn haben wird. Die technischen Messungen bei Tageslicht, schlechtem Licht, Blitzaufnahmen und Aufnahmen mit vierfacher Vergrößerung sprechen schon mal für das große Galaxy, das hier die Zwischennote 2,0 erreicht. Das Mi 11 ist überall etwas schwächer und kommt auf die Zwischennote 2,9. Allerdings stehen noch weitere (Sicht-)Tests aus. Das Mi 11 setzt auf eine hoch aufgelöste 108-Megapixel-Kamera (f/1.85) mit relativ großem Sensor (1/1,33″) und optischer Bildstabilisierung (OIS). Die Kamera vereint im Standard-Modus jeweils vier Bildpunkte zu einem optimierten Pixel, was ein 25-Megapixel-Foto ergibt. Die Ultraweitwinkellinse (f/2.4) hat einen Aufnahmewinkel von 123 Grad und eine Auflösung von 13 Megapixeln (MP). Dazu gibt es eine Makrolinse (5 Megapixel), die im Bereich von 3 bis 10 Zentimetern scharfe Bilder macht und einer Brennweite von 50 Millimetern entspricht. Der verbesserte Nachtmodus soll auch bei Videos für Beleuchtung sorgen, wo eigentlich zu wenig Licht ist. Die Frontkamera (f/2.2) bringt es auf stattliche 20 Megapixel Auflösung und fasst 4 Pixel zu einem 5-Megapixel-Foto zusammen. Im Videobereich ermöglichen Effekte wie Spiegellungen, partielle Standbilder, umfangreiche Time-Lapse-Modi oder der aus Thrillern bekannte „Vertigo-Effekt („Magic-Zoom“), sich auszutoben. Allerdings muss man den Anweisungen präzise folgen, um brauchbare Ergebnisse zu erhalten. Freihändig klappte der „Horrorfilm-Zoom“ nur recht holprig, weil man sich bei der Aufnahme vom Motiv entfernen muss. Bei Fotos hilft die AI etwa, unerwünschte Personen aus dem Bild zu entfernen.
Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Die Hauptkamera des Mi 11 löst mit bis zu 108 Megapixeln auf. Neben dem Ultraweitwinkel gibt es eine Makrolinse.

Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Was in der Draufsicht noch übersichtlich aussieht, entpuppt sich beim Blick von der Seite als Melange aus verschiedenen Ebenen.

Xiaomi Mi 11: Preis, Release, Farben

Das Mi 11 erscheint in Hellblau („Horizon Blue“) und Dunkelgrau („Midnight Gray“), so wie unser Testexemplar (auch wenn es auf einigen Fotos anders aussieht). Der Arbeitsspeicher beträgt immer 8 GB, beim Gerätespeicher stehen 128 und 256 GB zur Wahl – nicht erweiterbar. Die Preise liegen auf dem Niveau des Vorgängers: 799,90 Euro mit 128 GB und satte 100 Euro Aufpreis für die Speicherverdoppelung auf 256 GB. Das Mi 11 soll in Deutschland ab 25. Februar 2021 vorbestellbar sein. Xiaomi verlängert die Garantie auf zwei Jahre.
Xiaomi Mi 11 © Xiaomi

Hierzulande erscheint das Xiaomi Mi 11 in „Horizon Blue“ und „Midnight Gray“.

Preisaufschlag für das Mi 11?

In China ist das Mi 11 über 200 Euro günstiger. Wir raten trotzdem vom Import ab. Versierte Nutzer installieren die Google-Dienste zwar nach, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es bei einigen Lizenzen wie Google Pay zu Problemen kommt. Zudem verfügt die offizielle Version über ein Schnellladenetzteil und man ist bei möglichen Garantiefällen besser bedient. Wer 799 Euro zu teuer findet, sollte sich die Specs genauer ansehen, denn die Konkurrenz heißt nicht etwa Galaxy S21, sondern eher S21 Ultra. Und dabei munkelt man schon, dass es auch noch ein Xiaomi Mi 11 Pro geben wird. Ist das überhaupt noch nötig?
Xiaomi Mi 11 © COMPUTER BILD / Michael Huch

Was ist noch besser als robustes „Victus-Gorilla-Glass“? Robustes mattiertes „Victus-Gorilla-Glass“!

Vorläufiges Test-Fazit: Xiaomi Mi 11

Mit dem Mi 11 bringt Xiaomi ein Top-Smartphone an den Start! Das Display ist absolute Spitze, das Tempo ist überragend. Bei der Ausdauer können wir bis zu den finalen Testergebnissen noch keine abschließende Aussage treffen. Selbst wenn die Laufzeit überzeugt, wird es schwer, die Smartphone-Bestenliste zu erstürmen. Allein schon die fehlende IP-Zertifizierung kostet wertvolle Punkte. Außerdem lässt die Fotoqualität trotz zahlreicher kreativer Möglichkeiten noch ungewollt Luft nach oben für eine Mi-11-Pro-Version. Zum Start ist das Mi 11 so teuer, wie Samsungs S21-Galaxy nach dem ersten Preisrutsch. Tatsächlich müsste man es aber mit dem S21 Ultra vergleichen, das wohl nur bei der Kamera kontern kann. Und dann ist Xiaomis Mi 11 doch wieder preiswert.
 
*Ein Beitrag der Computerbild